In meiner Arbeit als Coach erlebe ich es tagtäglich, dass meine Kunden vor allem etwas Neues in ihr Leben einladen wollen, um ihre Ziele zu erreichen. Altes loslassen wirkt auf den ersten Blick nicht interessant, es geht erstmal um:

Neuer Job, neue Gewohnheiten

Das ist natürlich ein wichtiger Schritt zur Veränderung, keine Frage. Wir brauchen neue Träume, Ziele und Methoden, um motiviert zu sein und unser Leben zu verändern. Und vielleicht auch einen neuen Job. Allerdings:

Die wirkliche Transformation beginnt meiner Erfahrung nach vor allem da, wenn wir lernen, ohne Angst l o s z u l a s s e n und uns von altem Ballast zu befreien.
Aber was heißt das eigentlich?

Angstfrei loszulassen erfordert eine Definition von dir, wer du bist.

Sagen wir mal, du bist 36 Jahre alt, verheiratet, Mutter von 2 Kindern, lebst in München, arbeitest als selbständige Autorin und liebst vegane Cupcakes.
Oder du bist 47 Jahre alt, Single, lebst in Hamburg, arbeitest als Controller und gehst gern Tango tanzen.
Natürlich gibt uns das eine Idee, was dich ausmacht.
Aber letztlich sagt es gar nichts darüber aus, wer du bist. Überlege dir:

Wer bist du ohne deinen Job? Ohne deine Besitztümer?

Stell dir vor, du landest als Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel, ohne alles, was dich derzeit sichtbar definiert – wärst du dann ein anderer Mensch?
Stell dir vor, deine Wohnung steht in Flammen und all deinen Besitz, deine Fotos und Liebesbriefe verbrennen. Verlierst du damit auch all deine schönen Erinnerungen?
Natürlich nicht. Die Frage wäre nur: Wer bist du – und durch was definierst du dich?
Ich erlebe an meinen Kunden immer wieder, dass sie authentischer werden, bei sich selbst ankommen und zufriedener sind, je mehr sie loslassen.
Nur: Wie geht das?
Hier folgen drei erste Ideen, wie du loslassen üben kannst:

LOSLASSEN LERNEN TIPP #1: BALLAST ABWERFEN

Wir alle sortieren uns auch innerlich, wenn wir materielle Dinge loslassen, wenn wir das Haus oder die Wohnung entrümpeln. Es kann auch ausreichen, erstmal nur den chaotischen Schreibtisch in Ordnung zu bringen.
Schon vor meiner längeren Reise um die Welt habe ich regelmäßig Materielles abgeworfen, was mir nicht mehr diente: Kleidung, Hausrat, Bücher, CDs … und doch blieb immer noch ein Gefühl: Das ist alles ZUVIEL. Ich brauche das alles nicht. Seit dem Erfolg der japanischen Entrümpelungsexpertin Marie Kondo sollten wir uns fragen:

Does it spark joy?

Heute trenne ich mich noch viel leichter und in regelmäßigen Abständen von dem, was mir keine Freude mehr bringt oder keinen Nutzen mehr für mich hat. Jedes Mal erreiche ich ein neues Level und habe nie das Gefühl, das mir etwas fehlt. Es nicht darum, möglichst w e n i g zu besitzen, du musst nicht Minimalist werden.
Es geht darum, dich ausschließlich mit Dingen zu umgeben, die dir Freude bereiten, funktionieren und einen Nutzen für dich haben.
Alles Andere darf gehen.
Sofern du selbst loslegen willst: Suche nicht nach Dingen, die du loslassen willst, sondern richte deinen Fokus auf das aus, was dir Freude bereitet. Das darf bleiben. Alles andere kann weg.
Um beim Beispiel der Kleidung zu bleiben:
Welche Outfits passen perfekt, worin fühlst du dich wohl, was liebst du abgöttisch, was steht dir super? All das darf bleiben.
Alles was kneift, was du eh nicht anziehst, was Löcher, Flecken hat und einfach nur oll ist: Weg damit: Spenden, verkaufen, in den Müll. Und ganz nebenbei sortierst du dich innerlich und wirfst dabei auch emotionalen Ballast ab. Bingo!

 

LOSLASSEN LERNEN TIPP #2: STRESS WEGLASSEN

Für viele Jahre war Stress meine Motivation Nummer #1 und in vielen meiner Kunden sehe ich das gleiche Verhaltensmuster. Der Glaubenssatz „Ich muss viel leisten, um geliebt/ anerkannt/ gesehen zu werden.“ ist weit verbreitet.

Damals habe viel Zeit und Energie in meine Arbeit als Angestellte gesteckt und je kürzer die Deadline, je größer die Aufgaben und je überwältigender der Stress war, desto wichtiger und besser habe ich mich gefühlt. Doch das war wahrlich kein nachhaltiges Konzept.

Meine Reise und meine Selbständigkeit hat mich sehr verändert, seitdem lasse ich mich viel vertrauensvoller ins Leben sinken.

Natürlich komme ich manchmal noch in stressige Situationen oder bin etwas spät dran – das Leben lässt sich ja nicht komplett kontrollieren. Heute gehe ich mit diesen Situationen aber ganz anders um.

Und, falls du abnehmen möchtest: Stress ist Dickmacher Nummer 1. Das erhöhte Vorkommen des Stresshormons Cortisol in deinem Körper sorgt dafür, dass die Verdauungsprozesse verlangsamt und Ressourcen für weitere Notfälle gespeichert werden. Entspann dich.

Emotional übernimmt der Stress auch eine Rolle, er lässt uns in unserer Geschäftigkeit wichtig erscheinen.

Frage dich:

Welche Rolle übernimmt der Stress, den du dir machst?

Inwiefern beschützt er dich, und vor was? Das kann die Angst vor dem Alleinsein, der Identifikationslosigkeit ohne Job oder auch schlicht und einfach die Angst vor Langeweile sein.

 

LOSLASSEN LERNEN TIPP #3: EHRLICH SEIN

Die ungeschminkte Wahrheit: Wir sind Meister darin, uns selbst zu belügen.

Wir kommen uns selbst mit den unterschiedlichsten Märchengeschichten, Denkmustern und Schönrede-Methoden in die Quere.

Das machen wir sehr geschickt und aus reiner Vorsichtsmaßnahme vor ungewohnten Situationen.

So unbequem unsere Komfortzone auch immer sein mag: Das kennen wir, da bleiben wir, da ist es sicher.

Damit uns das nicht so schnell auffällt, denken wir uns lustige Geschichten aus, z.B.

 

… wenn ich im Lotto gewinnen würde, dann könnte ich endlich das Leben leben, was ich mir erträume. (Ja, klar.)

 

… wenn ich einen schlankeren Bauch und eine Wespentaille hätte, dann würde ich endlich einen Partner finden, der perfekt zu mir passt. (Ja, klar.)

 

… wenn meine borstige Vorgesetzte nur endlich das Feld räumen würde, dann hätte ich endlich meine Traumposition erlangt und würde einen noch besseren Job machen. (Ja, klar.)

 

Das ist alles total laktosefreier, veganer Käse. Kompletter Quatsch. Braucht kein Mensch. Denn: (Achtung, Kitsch-Alarm!)

Lass dein Selbstmitleid und deine vielen Erklärungen und Ausreden doch mal kurz beiseite.

Seih ehrlich zu dir. Lass die alten Gedanken los. Lass die Opferrolle los. Loslassen befreit!

Gestalte dir dein Leben aktiv, nimm es in die Hand. Welche Dinge, Aktivitäten und Entscheidungen bringen dir wirklich Freude, Leichtigkeit und Liebe in dein Leben?

Was in deinem Leben ist dir wirklich wichtig?

Schreib dir ein paar Ideen auf. Auch Dinge, die du noch heute umsetzen kannst. Und dann mach genau das, richte dein Leben danach aus und lass es leichter werden. Idee für Idee, Schritt für Schritt.

Statt auf den Lotto-Gewinn zu hoffen, machst du dir einen konkreten Finanzplan für deine Träume und Wünsche und richte dein Handeln danach aus. Du wirst sehen: Vieles kostet weit weniger, als du jetzt vielleicht noch denkst.

Statt auf einen schlankeren Bauch zu hoffen, wirfst du dich in ein schmeichelndes Outfit und geh auf Veranstaltungen, die dich interessieren. Da lernst du sicher interessante Menschen kennen – und vielleicht läuft dir ja auch dein Traumpartner über den Weg.

Statt andere aus ihren Jobs zu ekeln, gib jeden Tag dein Bestes im Job. Wer weiß, vielleicht befördert dich deine Vorgesetzte sogar freiwillig oder, wer weiß, vielleicht suchst du dir eines Tages die Position über ihr aus. 🙂

So, jetzt bin ich natürlich wahnsinnig neugierig:

Was lässt du als Erstes los?

Entrümpelst du deinen Kleiderschrank?

Unternimmst du einen ausgedehnten Spaziergang, statt noch eine Stunde länger auf dein Smartphone zu starren, und lässt den Stress von dir abfallen?

Lässt du deine Lügengeschichten sein?

Oder machst du was ganz anderes?
Verrate es mir in einem Kommentar, ich bin gespannt!

Buchtipps zum Thema Loslassen*

Magic Cleaning von Marie Kondo

Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags von Karen Kingston

Ich will ja loslassen – doch woran halte ich mich dann fest? von Ina Rudolph

1.272 Wörter
Aktualisierter Artikel, ursprünglich vom 26.08.2015

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